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Der Abgang der Dramaqueen

 

Sonntagmorgen, es regnet. Wieder einer dieser Tage, die ich mit dem Gefühl verbringe, dass ich die Welt ändern muss. Das Sofa steht gleich nebenan und wartet, dass ich mich hinlege und mich ausruhe. Ein gutes Buch schreit danach, endlich gelesen zu werden. Eine Leinwand will weiter bemalen und umgestaltet werden.

 

Ich sehe mich um – es geht mir so gut. Die Wohnung ist wunderschön und aufgeräumt. Es gibt nichts zu tun. Zur Arbeit darf ich morgen wieder, eine Beschäftigung, die mir Freude macht und bei der ich unter wertvollen Menschen sein darf. Alles scheint perfekt zu sein.

 

Warum grummelt es trotzdem so fest in mir? Was ist es, dass mich so unzufrieden macht? Was treibt mich immer und immer wieder an?

Es wird Zeit, dem Gefühl endlich auf die Spur zu kommen.

Annehmen und reinspüren, durchatmen – oh, wie oft habe ich das schon gemacht. Und immer wieder hat es unterschwellig mein Leben bestimmt. Angeborene Melancholie würden es die einen nennen, Dramaqueen ist meine Bezeichnung dafür. Nun gut, du bist so, du darfst dich trotzdem lieben. So spüre ich mich in die Annahme dessen, was ich scheinbar bin. Ich liebe mich so, wie ich bin. Mein innerer Kampf und Widerstand löst sich auf. 

Und dann ist da diese Transformation.  Ich brauche es nicht mehr, dass dieses dumpfe Grollen in mir mein Leben bestimmt. So viele schmerzhafte Situationen hat es bewusst oder unbewussst angezogen, dass es beinahe für zwei Leben reicht. Wohlgemerkt, ich habe sie alle überstanden, den Lernfaktor angenommen und bin daraus gewachsen. Auch ist mir völlig klar, dass dieses Gefühl eine riesengrosse Schöpferkraft in sich trägt. Aber eben bis jetzt in die Richtung, die ich nun endgültig, ein für alle Mal gesehen und gespürt hab!!!!!

Heute beschliesse ich, dass dieser Job der Dramaqueen neu besetzt werden darf. Ich sehe sie an, fordere sie zu einem Gespräch auf. Ich danke ihr, dass sie mich so viele Jahre begleitet hat und dass ich wohl ohne ihre Aktionen nicht da wäre, wo ich heute bin. Innerlich, wie äusserlich bin ich über meine persönlichen Grenzen hinausgewachsen. Ich bin ihr wirklich dankbar und kann sie in Liebe umarmen. 

Trotzdem ist es nun an der Zeit, sie in Rente zu schicken, sage ich ihr. Eines habe ich gelernt, dass die Dinge und Qualitäten, die ich am Meisten ablehne, das grösste Potential in sich tragen.  Daher möchte ich die Dramaqueen nicht in den Tod schicken. Sie fühlt sich an, wie ein Rohdiamant, der eine unglaubliche Antriebsquelle in sich trägt. Aber eben – der Antrieb waren negative und schmerzhafte Geschichten in meinem Leben. Ich wandle ihre Kräfte um, aus Angst wird Liebe.

Sie zeigt sich absolut bereit, dass eine Änderung eintreten darf. Ehrlich gesagt, ist sie sogar unbeschreiblich froh darüber, denn sie ist müde, sehr müde sogar. Auf meine Frage hin, ob sie denn einen neuen Job übernehmen will, spüre ich eine grosse Dankbarkeit in ihr.

Fast im selben Moment zieht sie ihre prunkvollen Kleider aus, sie legt ihren glitzernden Schmuck ab und öffnet ihre Hochsteckfrisur. Ihr wallendes, langes Haar zeigt eine Weichheit und lässt ihr Gesicht liebevoller erscheinen. Ihre neuen Kleider sind schon parat und haben bereits lange auf diesen Moment gewartet. Fliessende Stoffe umhüllen nun ihren Körper und die Freiheit ist so intensiv zu spüren.

Ich lade sie ein, ihre neue Arbeitsstelle in meinem Lebens-Unternehmen anzutreten und sie fügt sich widerstandslos ins Team ein. Ich spüre, wie ihre liebevolle Kraft wächst und sie mit ihren Erfahrungen eine wunderbare Bereicherung für mein Leben wird. Und tatsächlich ändert sie auch ihren Namen: die Dramaqueen wird nun zur «Leichtigkeit».

Sonntagmorgen, es regnet noch immer. Aber die Sonne und das Licht sind in mich eingekehrt. Meine Zellen fühlen sich erneuert an und viele der Anspannungen in meinen Muskeln durften sich lösen. Eine neue Energie durchströmt mich. Ich habe wieder ein grosses Stück Heilarbeit und Veränderung in mir vollbracht und somit verändere ich den Umgang mit meinen Mitmenschen und schlussendlich die Welt.

 

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Kommentare: 5
  • #1

    Elfriede Mach (Sonntag, 10 März 2019 10:08)

    Sehr gut geschrieben.

  • #2

    Stefanie Seiler (Sonntag, 10 März 2019 10:19)

    danke ���
    auch für eure Kommentare auf Fb
    lg

  • #3

    Stefanie Seiler (Montag, 11 März 2019 16:12)

    Anbei möchte ich euch einige der wunderbaren Kommentare mitlesen lassen, welche dieser Artikel auf FB bekommen hat:
    I.F.: Das ist solch ein (innere) bilderreicher & starker & lebendiger & authentischer & wahrer & gleichwohl bitterer wie hoffnungsstrotzender Text – was für Ausdrucksformen & Formulierungen!!! Bin tief drinnen angefasst und beglückwünsche Dich aufs allerherzlichste zu dieser positiven, versöhnlichen, leichternehmerischen Transformation, liebe Stefanie
    U.L.:Oh Stefanie ich habe keine Worte nur Gefühle
    P.E.:So schön beschrieben...
    Dramaqueen....die kenn ich auch ...ich schau mal , vielleicht hat meine demnächst ja auch neue Kleider an...
    M.A.: Sehr sehr liebevoll schön

    Ich danke euch vielmals
    Stefanie

  • #4

    Ludwina Simmet (Samstag, 16 November 2019 10:52)

    Ein wunderbarer Artikel, ich verstehe ihn gut, ich kann so vieles nachempfinden, welche Befreiung steht dahinter !, vielen Dank, eine Bereicherung für diesen Tag, und .....

  • #5

    Stefanie Seiler (Samstag, 16 November 2019 11:06)

    Danke Ludwinda, freut mich sehr
    lg Stefanie